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Die Zinsen sind historisch niedrig.

Käufer reißen sich um Immobilien. Aber seit einigen Wochen haben die Banken ihre Kreditkonditionen deutlich verschärft: Kredite gehen fast nur noch an Gutverdiener. Das hat einen einfachen Grund.

Auf Grund verschärfter Vorgaben durch die Umsetzung einer EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie hat sich der Traum vom Eigenheim in Zukunft für einen Teil der Bevölkerung wohl ausgeträumt. Denn für die Vergaben von Immobilienkredite gelten seit dem 21. März 2016 europaweite neue Standards. Banken und Kreditinstitute müssen jetzt bei der Vergabe von Baukrediten künftig besser beraten und die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden strenger prüfen.

Vor allem zwei Punkte des Gesetzes sind es, die Immobilienkreditvergabe künftig deutlich erschweren können. Nach der neuen Regelung darf eine Bank einen Immobilienkredit nur gewähren, wenn er „innerhalb der statistischen Lebenserwartung des Kreditnehmers vollständig zurückgeführt werden kann“. Das heißt die Bank muss die wirtschaftliche Situation eines Schuldners genau durchleuchten. Ansonsten drohen ihnen bei einem Ausfall des Kredits saftige Strafen. Zum anderen dürfen sie den Wert der Immobilie bei der Einschätzung der Kreditwürdigkeit nicht mehr als Hauptkriterium wählen. Das hat zur Folge, dass Haushalte ohne genügend Eigenkapital bei einer Finanzierung künftig schlechte Karten haben. „Das Gesetz zwingt Banken zu einer restriktiveren Kreditvergabe – zum Nachteil der Verbraucher“, kommentiert Jürgen Gros, Vorstand des Genossenschaftsverband Bayern, die neuen Vorschriften.

Viele Deutsche werden vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen

Eigentlich als Weiterentwicklung des Verbraucherschutzes gedacht, hat das neue Gesetz ungewollte Nebenwirkungen, wie die vierteljährliche Umfrage zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey, BLS) ergibt: „Die Daten der Bundesbank zeigen, dass die Banken mehr Sicherheiten verlangen und bei der Kreditvergabe deutlich vorsichtiger geworden sind. Das triff t dann natürlich vor allem einkommensschwächere Haushalte, die über weniger Eigenkapital verfügen“, erklärt Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Für viele Noch-Mieter scheitert der Traum von Eigenheim wegen der neuen EU-Richtlinie künftig also womöglich an der zu geringen Eigenkapitalquote: „Schon bisher mussten Käufer – rechnet man Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notar- und Maklergebühren dazu – in der Regel etwa 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises in Bar auf den Tisch legen. Auch bei einem sehr günstigen Kaufpreis von 150.000 Euro wären das fast 50.000 Euro. Das verschärft die EU nun noch weiter“, erklärt Voigtländer. „Unsere Zahlen zeigen, dass abernur 20 Prozent der Mieter über ein Finanzvermögen von 50.000 Euro oder mehr verfügen“.

Quelle: Montag, 23.05.2016, 18:16 · von FOCUS-MONEY-Autor Matthias Dworak



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